Landkreis Harz schafft mit Rahmenvertrag Voraussetzungen für ein Gesamtkonzept

Schulen brauchen heutzutage mehr und mehr Informationstechnik wie Computer, Netzwerke und Anwendungen. Die Anzahl der Computer steigt ständig und diese Geräte werden immer häufiger und  umfangreicher im Unterricht eingesetzt. Bildbearbeitung, Büroanwendungen, Videobearbeitung, das Programmieren - all das wird heute benötigt. Dazu kommt: Schulen brauchen WLAN-Netzwerke und die Schüler benötigen Nutzerkonten. Das führt dazu, dass eine größere moderne Schule durchaus zwischen 500 bis 1 000 Computer haben kann. Der Bedarf an professionelle Betreuung von großen, immer komplexeren IT-Landschaften in den Schulen steigt dadurch enorm.

Um dem gerecht zu werden, hat Landrat Thomas Balcerowski Anfang November einen Rahmenvertrag mit der finnischen Firma Opinsys unterzeichnet und damit den Startschuss für einen innovativen Weg für die Digitalisierung an den Schulen des Landkreises gegeben.

Die Kreisverwaltung erprobt als Schulträger für 35 Schulen im Landkreis Harz seit zwei Jahren  unterschiedliche Lösungen als Gesamtkonzept zur Digitalisierung der Schulen. Nach einer einjährigen Testphase am Halberstädter Gymnasium „Martineum“, an der Sekundarschule "Freiherr Spiegel" Halberstadt sowie an der Sekundarschule "Thomas Mann" in Dardesheim mit anschließender Evaluation hat sich dabei ein klarer Favorit gezeigt. Es handelt sich um die Lösung „Puavo“ aus Finnland.

Die Lösung umfasst eine eigene Identität (Nutzerkonto) für alle Schüler und Lehrkräfte, ein Betriebssystem für die Schulserver und ein Betriebssystem für alle Computer in den Schulen. Doch auch Tablets wie zum Bespiel iOS- oder Androidgeräte können genauso wie Geräte mit MacOS oder Windows mit dieser digitalen Identität kombiniert werden. Der große Vorteil, den Schulen im Landkreis bleibt die freie Wahl über die eingesetzten Endgeräte. „Als Schulträger folgen wir dem Leitspruch: ‚Technik folgt Pädagogik‘. Jede Schule hat andere Voraussetzungen und andere Ansprüche. Durch eine offene Lösung mit Open-Source können wir die individuellen Wünsche unserer Schulen erfüllen.“, so Immo Kramer, Leiter des Amtes für Gebäude- und Schulverwaltung.

Die Besonderheit, das gesamte System steht vollständig unter Open-Source-Lizenz. Das bedeutet, jeder Interessierte kann den Quellcode einsehen und an seine Bedürfnisse anpassen. Alle Anwendungen welche ein Benutzer auf dem System „Puavo“ vorfindet, sind kostenfrei verfügbar. Schülerinnen und Schüler sind nicht gezwungen, teure Lizenzen zu kaufen, um die Hausaufgaben zu erledigen.

Open-Source-Lösungen verursachen keine Lizenzkosten, wie bei geschlossener Software fallen aber natürlich Wartungs- und Betriebskosten an. Auch Entwickler werden für spezielle Anpassungen für den Landkreis Harz bezahlt. Diese Anpassungen kann dann aber wieder jeder kostenfrei nutzen. Ganz nach dem Prinzip: "Wir arbeiten mit öffentlichen Mitteln also soll das Ergebnis auch allen uneingeschränkt zur Verfügung stehen."

Ein zusätzlicher Bonus, das Linux basierte Betriebssystem, hat deutlich geringere Anforderungen an die Hardware als vergleichbare kommerzielle Lösungen. Ein Ansatz ist so der gezielte Einsatz von gebrauchten Business Notebooks in den Schulen des Landkreises. So kommen sehr robuste Geräte in die Hände der Schüler und wertvolle Ressourcen werden gespart. Auch Geräte, welche bereits in den Schulen vorhanden sind und mit beispielsweise Windows 10 nicht mehr betrieben werden können, aber technisch vollkommen in Ordnung sind, können durch das Betriebssystem „Puavo“ weiterhin sicher und Datenschutzkonform betrieben werden.

„Im Pilotversuch am Gymnasium Martineum hat ‚Puavo‘ seine Tauglichkeit für den Schulalltag unter Beweis gestellt. Überzeugt hat uns vor allem der geringe Wartungsaufwand für uns als Schule, da die spezielle Gesamtarchitektur des Systems Puavo immer für ein aktuelles Betriebssystem inklusive aller Anwendungsprogramme auf den Endgeräten sorgt. Der Support unserer finnischen Partner ist hochprofessionell und schnell. Bei der Einbindung des Systems in unsere bestehende IT-Infrastruktur haben uns die Mitarbeiter der Firma opinsys mit ihrer außergewöhnlichen fachlichen Kompetenz beeindruckt.“, fasst Stefan Pasderaski, Schulleiter des Gymnasiums Martineum, die Erprobung zusammen.

Der Landkreis Harz hat aufgrund der guten Erfahrungen die Wartung und den Betrieb für dieses Open-Source-System europaweit ausgeschrieben. Die Ausschreibung hat das Unternehmen „Opinsys“ aus Finnland gewonnen.

“Unser Unternehmen, Opinsys, hat sich schon seit 15 Jahren der Entwicklung der Informationstechnik für Schulen gewidmet. Seit dem Anfang steht die Benutzerfreundlichkeit der Technik im Mittelpunkt. Technik muss alltagstauglich sein und dafür sorgen, dass das Unterrichten und Lehren reibungslos funktioniert. Ich möchte hier unsere Dankbarkeit zum Ausdruck bringen, dass wir nach einer Erprobungsphase von mehreren Schul-IT-Gesamtkonzepten und nach einer europaweiten Ausschreibung die Zuschlagserteilung bekommen haben. Wir freuen uns auf die zukünftige Partnerschaft mit dem Schul-IT-Team vom Landkreis Harz. Unsere wichtigste Aufgabe besteht darin, unseren Partner in dem Umfeld von sich rasch entwickelnden Informationstechnik für Schulen zu unterstützen und stärken.”, sagt Opinsys-Geschäftsführer Jouni Korhonen anlässlich der Vertragsunterzeichnung.

Geplant ist eine Einführung dieses neuen Systems parallel zum Förderprogramm Digitalpakt Schule.

© Julia Heinrich E-Mail

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