Auf vier Rädern durch die Kreisverwaltung

Das Bild zeigt Emily Hoppe und Lisa Foth im Interview. ©Landkreis Harz
Das Bild zeigt Emily Hoppe und Lisa Foth im Interview.

Die 15-jährige Emily Hoppe aus Dardesheim/Landkreis Harz ist ein aufgeschlossenes, sympathisches und familiennahes Mädchen. Sie ist motiviert sowie vielseitig interessiert und trotzdem kann sie nicht wie Andere am Alltag teilhaben – denn sie sitzt im Rollstuhl. Emily besucht derzeit die 8. Klasse der Marianne-Buggenhagen-Schule in Darlingerode, eine Förderschule mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung. Sie geht gern zur Schule und findet es schön, dass sie dort so akzeptiert wird, wie sie ist und ein „normales Leben“ führen kann.  In ihrer Klassenstufe ist ein zweiwöchiges Pflichtpraktikum vorgesehen. Da sie neben ihren Lieblingsfächern Deutsch und Geschichte, Bücher sehr faszinieren, wollte sie ein Praktikum im Bereich der Literatur absolvieren.

Leider traf sie bei der Praktikumssuche auf vielfache Hürden: waren es bei der ersten Anlaufstelle die zu engen Türen, mangelte es woanders an personellen Kapazitäten. Als Emily und ihre Familie die Hoffnung schon beinahe aufgegeben hatten, eröffnete sich kurzfristig und unkompliziert die Möglichkeit, das Praktikum beim Landkreis Harz zu absolvieren. Nach einer zunächst deprimierenden Reihe an Absagen freute sich Emily über diese Chance. Letztlich wurde die 15-jährige vom 9. bis 20. März in der Poststelle der Kreisverwaltung aufgenommen. Hier unterstützte sie die Mitarbeiter und lernte ihre alltäglichen Arbeitsabläufe kennen. Auch gelang es ihr, Einblicke in die Struktur einer Verwaltung zu gewinnen. Zu ihrem Bedauern konnte die 15-Jährige ihr Praktikum – durch die Corona-Pandemie – lediglich eine anstatt zwei Wochen erleben. Dennoch habe sie die Zeit im Landratsamt genossen. Dort sei sie sehr gut und auf Augenhöhe aufgenommen worden, auch haben ihr die Aufgaben viel Spaß bereitet. Der Umgang mit den Kollegen sei ihr positiv aufgefallen und sie selbst habe sich als vollwertiges Mitglied der Poststelle gefühlt. Hierfür ist Emily sehr dankbar.

Auch, wenn Büroarbeiten und Verwaltung nicht ihr erster Wunsch sind, kann sich Emily ein weiteres Praktikum im Landratsamt gut vorstellen. Doch ihr Herzenswunsch sowie Berufswunsch ist es, später in einer Bibliothek zu arbeiten, denn es sind die Bücher, die Emily so faszinieren. „Ich kann mich in die Geschichten, die ich lese, direkt hineinversetzen. Das mag ich so an Büchern“, so Emily. Aber auch Selbstständigkeit und Selbstbestimmung sind der ehemaligen Praktikantin sehr wichtig. Dennoch berichtet sie auf Nachfrage, dass sie in ihrem alltäglichen Leben regelmäßig auf Barrieren stößt. Dabei ist allerdings nicht der Rollstuhl das Problem, sondern die Tatsache, dass die Menschen einen Rollstuhl als Hürde ansehen. Diese Tatsache sowie bauliche Hindernisse schränken Emily in ihrem Alltag und am Leben in der Gesellschaft ein. Diesen Barrieren begegnet sie beispielsweise im Kino oder im Supermarkt. Für sie fühlt es sich so an, als würde sie ständig angeguckt, was ihr das Gefühl vermittelt, „anders als andere“ zu sein. Hier würde sie sich öfter wünschen, gefragt zu werden, wie es um sie steht und wie es ihr geht.

Die Mitarbeiter vom Örtlichen Teilhabemanagement wünschen Emily Hoppe viel Glück und Erfolg für ihren weiteren Lebensweg und dass sie ihrer Faszination für Bücher nachgehen kann.

Wenn Sie Emily und auch anderen Schülerinnen und Schülern mit einer Behinderung die Chance auf ein Praktikum geben möchten, dann kontaktieren Sie uns bitte unter unseren üblichen Kontaktdate

© Almut Hartung E-Mail

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