Digitales Museum

Kloster Michaelstein bietet digitale Rundgänge und virtuelle Führungen an

Digitales Museum
Herzogsloge (Quelle: Museum Kloster Michaelstein)

Blankenburg (Harz) I Während in der Corona-Pandemie viele Kultureinrichtungen geschlossen sind, geht das Museum Kloster Michaelstein bei Blankenburg neue Wege. Seit dem 4. Dezember 2020 können Besucher die Räume der Musikausstellung ZeitKlangRaum und die ehemalige Klosteranlage in einem digitalen Rundgang erleben. Auf der Seite www.kloster-michaelstein.de wurden hunderte hochaufgelöste Rundum-Fotos zu einem digitalen Zwilling des Klosters Michaelstein zusammengesetzt, der kostenlos besichtigt werden kann.

„Wie in einem Videospiel bewegt sich der Besucher per Mausklick durch die Klosterräume. Bilder, Videos und Musik hauchen den alten Mauern und den Exponaten Leben ein und entfachen die Lust am Entdecken.“, erklärt Museumssprecher Wolfgang Heger. Die einzelnen Exponate können durch eine Vergößerungsfunktion näher betrachtet werden. Kurze Videos vermitteln zusätzliche Informationen zur vormaligen Nutzung des Gebäudes und den ausgestellten Instrumenten. „Die Fertigstellung dieses aufwendigen digitalen Projekts kommt in Zeiten der Corona-Pandemie gerade zum richtigen Moment, denn virtuell hat das Kloster natürlich immer geöffnet“, sagt Museumsleiter Simon Sosnitza. „Für uns ist es eine großartige Möglichkeit, unsere Schätze in den Fokus zu rücken und Menschen neugierig zu machen.“

Digitalisierung baut Barrieren ab

Als den Anruf mit dem Angebot bekam, ob er nicht das Museum scannen wolle, habe er nicht lange gezögert, erklärt Museumsleiter Sosnitza. „Das Kloster Virtuell biete zwar keine völlige Barrierefreiheit, aber es ermöglicht doch einen großartigen Zugang für Menschen mit den unterschiedlichsten Einschränkungen. Direkt zu Beginn müssen Sie keine Rampen oder Treppenstufen erklimmen, um in das Museum zu kommen. Einfach klicken und schon ist man drin. Und so geht es im Museum weiter. Dort, wo Schwellen und Treppen zu bewältigen sind, huschen Sie nun als Besucher einfach drüber hinweg. Das ist dann schon sehr vereinfachend für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.“ Eine weitere Besonderheit ist der sogenannte Messmodus. „Sie haben die Möglichkeit Schwellen, Türen, Treppen, Durchgänge und was auch immer auszumessen. Einfach per Mausklick und schnell die Breite einer Tür ausmessen und schon können Sie im Vorfeld des Besuches herausfinden, ob Sie mit einem Rollstuhl hindurch passen.“, so Sosnitza weiter.

Ebenfalls neu im Angebot sind eine digitale Klosterführung, die einen Rundgang durch die Klosterräume und die Musikausstellung umfasst, sowie eine digitale Musikmaschinenführung zur Musikmaschine des Salomon de Caus aus dem 17. Jahrhundert. Beide Führungen dauern ca. 45 Minuten und können bequem vom heimischen Sofa verfolgt werden. Dabei streamt die Museumspädagogin den digitalen Inhalt während der Führung. Die Teilnahme ist über den eigenen Browser möglich, eine Software muss nicht installiert werden. Die virtuelle Klosterführung findet in der Regel mittwochs um 10.30 Uhr und freitags um 18.00 Uhr statt. Die virtuelle Musikmaschinenführung findet in der Regel mittwochs und freitags um 14.00 Uhr statt. Tickets sind für 3,50 Euro zuzüglich einer Servicegebühr im Reservix Ticketshop unter Ticketshop (reservix.de) erhältlich.

Neue Zielgruppen in der Corona-Pandemie erreichen

„Wir können mit unserem virtuellen Museum nun auch neue Zielgruppen erreichen. Das müssen ja nicht nur Touristen sein, sondern - und hier kommt die Barrierefreiheit wieder ins Spiel - können genauso Gruppen sein, die aus unterschiedlichen Gründen nicht ins richtige Museum kommen können, wie zum Beispiel Menschen in Seniorenheimen oder Schulklassen.“, erklärt Museumsleiter Sosnitza. „Wir können den Lehrern Inhalte auf Smartboards streamen und die Kinder durch unser Kloster führen. Da ist noch viel Potential zur Weiterentwicklung.“

Dennoch soll das virtuelle Museum kein Ersatz für das reale Museum sein, betont der Museumsleiter. Es biete vielmehr eine sinnvolle Ergänzung des bestehenden Kulturangebotes. Der digitale Rundgang mache neugierig auf mehr, wecke die Lust auf das echte Erlebnis. „Letzten Endes kann ich das Musikinstrument nur vor Ort im Museum spielen, den Lavendel der Klostergärten nur hier riechen oder die Jahrhunderte alten Mauern nicht nur sehen, sondern auch wirklich berühren.“ Das Museum Kloster Michaelstein ist seit März 2020 bei "Reisen für alle" zertifiziert.

© Örtliches Teilhabemanagement E-Mail

Zurück