Hochschulprojekt gibt Tipps zum barrierearmen Wohnen

Ob die pflegende Tochter, die einen Umzug seiner Eltern ins Heim verhindern möchte, das Paar um die 60, das sein Bad modernisieren will, oder der 75-Jährige, der in die Nähe seiner Kinder zieht: Menschen können in ganz unterschiedlichen Situationen mit einer Umgestaltung ihres Wohnumfelds konfrontiert werden.

Ein Gastbeitrag von Julia Bruns

Im Landkreis Harz einmalig ist eine Musterwohnung für barrierearmes Wohnen, in der sich Interessierte über die zeitgemäße und komfortable Gestaltung informieren können. Bereitgestellt wird dieses besondere Beratungsangebot von einem Netzwerk aus Hochschule, Wohnungswirtschaft und Ehrenamt.

Dahinter steht das Projekt der Hochschule Harz VTTNetz (kurz für Innovationsnetzwerk Vernetzte Technikberatung und Techniknutzung). Projektleiterin Prof. Dr. Birgit Apfelbaum und ihre Mitarbeiter Thomas Schatz und Julia Bruns überlegen, wie das Interesse älterer Menschen für barrierearmes Wohnen und digitale Technik geweckt werden kann. „Leider sind viele Möglichkeiten den Seniorinnen und Senioren noch unbekannt – und die Potenziale der Technik bleiben unentdeckt“, sagt die Professorin, die als eine von zehn Experten den jüngst veröffentlichten Achten Altersbericht für die Bundesregierung mitverfasst hat, der das Thema „Ältere Menschen und Digitalisierung“ in den Mittelpunkt rückt.

Was können Besucher in der besonderen Wohnung entdecken? Ausgestattet sind Badezimmer, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche und Arbeitszimmer mit technischen Raffinessen, die erschwinglich und wenig auffällig gestaltet sind. Thomas Schatz greift zum sprechenden Wecker. „Eine prima Sache für Sehbehinderte. Er sagt Zeit, Datum und sogar Temperatur an“, erklärt er. Groß sei das Interesse an Klingelerweiterungen. „Mit einem Funk-Gong kann die Klingel zum Beispiel mit in den Garten genommen werden“, sagt Julia Bruns. „So verpasst man keinen Besuch mehr, auch wenn man gerade nicht in der Wohnung ist. Das Gerät kann sehr laut eingestellt werden und es blinkt zudem, sodass auch Hörgeschädigte das Klingeln optisch wahrnehmen.“

Ebenso ist alles, was Stürze verhindern hilft, sehr gefragt: Ob der Gardinenlift, mit dem die Gardine auf Hüfthöhe zum Wechseln der Gardinenschals gezogen werden kann, die barrierefreie Dusche oder die unauffällige und mobile Rampe, die die Stufe zum Balkon überwinden hilft. In der barrierearmen Musterwohnung in der Kopernikusstraße 8 können sich alle, die eine Modernisierung ihrer Wohnung planen, über Produkte informieren und sie sogar ausprobieren.

Die Wohnung wird dem Hochschulprojekt kostenfrei vom Kooperationspartner, der Wernigeröder Wohnungsgenossenschaft eG zur Verfügung gestellt. Jeden Montag findet dort in Zusammenarbeit mit der Seniorenvertretung der Stadt Wernigerode die Sprechstunde für Smartphone, Komfort und Sicherheit in vertrauten 1:1-Beratungen und unter Wahrung der Abstandsregelungen statt.

Im Kreisblatt sollen künftig pfiffige Lösungen für ein komfortables Leben im Alter aus der barrierearmen Musterwohnung näher vorgestellt werden.

Wer die Wohnung in der Kopernikusstraße 8 in Wernigerode besichtigen möchte, wird gebeten, sich an die Mitarbeiter des Projektes VTTNetz an der Hochschule Harz zu wenden: 03943/659724 oder über jbruns@hs-harz.de. Informationen finden Interessierte zudem auf der Webseite des Projektes unter www.innovativ-altern.de

© Almut Hartung E-Mail

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