Inklupreneur - ein Projekt für mehr Inklusion auf dem Arbeitsmarkt

Logo Inklupreneur ©Hilfswerft gGmbH

In Deutschland sind Unternehmen gesetzlich verpflichtet, mindestens 5 % ihrer Arbeitsplätze mit Menschen zu besetzen, die eine Behinderung haben. Wenn eine Firma das nicht einhält, zahlt sie eine Ausgleichsabgabe. Die Kosten fangen bei 125 Euro im Monat pro nicht oder falsch besetzter Stelle an. Schnell kommen so bei Unternehmen Tausende Euro im Jahr zusammen, die als Ausgleichszahlung an die Landesämter abgeführt werden müssen. Die Landesverwaltung von Sachsen-Anhalt erfüllt diese Quote seit Jahren nicht. Deshalb musste sie 2021 mehr als 550.000 Euro als Ausgleich zahlen.

Genau hier setzt Inklupreneur an, das Projekt „Inklupreneur“ richtet sich gezielt an Gründer*innen von Startups, sowie an Unternehmer*innen die sich für Inklusion einsetzen und in ihrem Unternehmen inklusive Arbeitsplätze schaffen wollen. Für den Namen Inklupreneur wurden zwei Begriffe vereint: "Inklusion" und "Entrepreneurship" (Entrepreneurship bedeutet: Unternehmertum). Der Gründer Nils Dreyer sagte in einem Interview: "Inklupreneure können auch Menschen mit Behinderung sein, die den mutigen Schritt gehen und sich bei Unternehmen bewerben, in denen sie berufliches Neuland betreten. Unser Programm ist also für Menschen und Unternehmen gedacht, die neue Wege gehen wollen."

Aber wie funktioniert das genau?

Wer als Unternehmer*in oder als Gründer*in mitmachen möchte, der muss auf der Internetseite des Unternehmens ein sogenanntes "Pledge" (Pledge bedeutet Versprechen) unterzeichnen. Dies ist ein Formular zur Selbstverpflichtung. Unternehmer*innen beschreiben das eigene Unternehmen genauer und erklären darin, wo im Betrieb Stellen für Menschen mit Behinderung geschaffen werden können. Danach findet eine Auftaktveranstaltung statt. Hier erleben die Unternehmen zwei intensive Tage, an denen alle Unternehmer*innen, die mitmachen, ihre jeweils eigene Inklusionsstrategie erarbeiten. Inklupreneur und seine Mentor*innen begleiten die Unternehmen anschließend noch einige Monate mit Coaching und Beratung.

Hinter Inklupreneur steht die Hilfswerft gGmbH, die von Nils Dreyer als Geschäftsführer geleitet wird. Hilfswerft gGmbH bot vor Inklupreneur bereits Workshops für angehende Sozialunternehmer*innen an und kann somit bereits auf ein großes Netzwerk an Mentor*innen zurückgreifen. Insgesamt sind dort 20 Menschen mit Behinderung beratend tätig und begleiten die Unternehmen auf ihrem Weg zu mehr Inklusion. Sie geben ihnen Rückmeldung zu Themen wie: Worauf schauen Bewerber*innen mit Behinderung auf der Website als erstes? Wie barrierearm ist das Unternehmen? Wer könnte dort arbeiten – und wer nicht? Um ein Beispiel aufzuzeigen, kann ein Büro in einem Altbau in der dritten Etage auch barrierefrei sein, nur eben nicht für einen Menschen mit einer Mobilitätseinschränkung. Vielen Unternehmen ist dies nicht bewusst, weil als erstes nur an bauliche Barrierefreiheit gedacht wird. Daher ist es für die beratende Arbeit sehr wichtig, dass Unternehmen von Menschen mit Behinderung gecoacht werden, um genau diese Barrieren im Kopf zu beseitigen.

Die Dienstleistung, die Inklupreneur den Unternehmer*innen anbietet ist für das Unternehmen kostenlos. Das Projekt wird durch Fördergelder des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) Berlin gefördert. Ein großes Ziel was in Absprache mit dem Landesamt definiert wurde, ist, dass durch das Projekt 60 bis 120 neue inklusive Arbeitsplätze geschaffen werden sollen. Das zweite Ziel ist natürlich, diese Stellen auch zu besetzen. Dabei kooperiert Inklupreneur unter anderem mit der Bundesagentur für Arbeit und dem Jobcenter.

Deutschlandweit haben bisher 42 Firmen die Selbstverpflichtung unterzeichnet. Sie wollen insgesamt 139 inklusive Stellen schaffen. Dabei sind zum Beispiel: HelloFresh, KfW, Idealo Internet GmbH, Autoteile24 GmbH, erlich Textil und viele mehr.

Bisher gibt es das Inklupreneur-Programm nur in Berlin und Bremen, aber das Projektteam arbeitet daran auch in anderen Bundesländern aktiv zu werden. Unternehmen aus anderen Bundesländern können schon jetzt das "Pledge" unterzeichnen und wenn sich genügend Unternehmen melden aus einer Region, möchte das Projekt auf die zuständigen Inklusionsämter zugehen und versuchen, das Programm auch dort auf dem Weg zu bringen.

Für die Zukunft plant Inklupreneur eine eigene Gemeinschaft aufzubauen, um Arbeitssuchende mit Unternehmen zu verknüpfen und so mehr freie inklusive Stellen zu besetzen.

 

Quellen:

https://inklupreneur.de/

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/schwerbehindert-beschaeftigung-quote-100.html

https://www.inklusives-arbeitsleben.lwl.org/

https://www.taubenschlag.de/2019/01/arbeitsmarkt-ausgleichszahlungen-statt-job/

 

Text in einfacher Sprache:

Das Ziel von Inklupreneur ist es, 

Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaffen.

Dadurch sollen Menschen mit Behinderung besser in die Arbeitswelt integriert werden.

Dafür arbeitet Inklupreneur auch mit dem Jobcenter und mit der Agentur für Arbeit zusammen.

© Sophia Schubert E-Mail

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