Bussche (-Streithorst), Axel Ernst-August Clamor Franz Albrecht Erich Leo von dem

Axel Ernst-August Clamor Franz Albrecht Erich Leo von dem Bussche-Streithorst wurde am 24. April 1919 in Braunschweig als Sohn eines Offiziers und seine dänischen Frau geboren. Nach seinem Abitur im Jahre 1937 trat er als Offizieranwärter in das Infanterie-Regiment 9 der 23. Infanterie-Division in Potsdam, auch salopp „Regiment Graf Neun“ genannt, ein, aus dem viele Widerstandskämpfer hervorgingen. 1938 bis 1939 besuchte er die Kriegsschule in Hannover. Im Zweiten Weltkrieg nahm er zunächst am Polen- und Frankreichfeldzug, später am Krieg gegen die Sowjetunion teil. Am 5. Oktober 1942 wurde der hochdekorierte Oberleutnant als 23jähriger auf dem Flugplatz von Dubno in der Ukraine zufällig Zeuge einer Massenexekution von über dreitausend Zivilisten, Männern, Frauen und Kindern – überwiegend Juden, die innerhalb von zwei Tagen von acht SS- und mehreren SD-Leuten systematisch durchgeführt wurde. Nach diesem Erlebnis fragte er sich und sein Regiment, zu dem unter anderem Richard von Weizsäcker gehörte, im kleinen Kreis, weshalb er noch an diesen Eid gebunden sein sollte, der auf Gegenseitigkeit beruhe, wenn der Führer diesen unzählige Male durch die von ihm angeordneten Verbrechen gebrochen hatte.

Im Oktober 1943 reiste er zu Oberstleutnant Stauffenberg nach Berlin. Dieser war einen Monat zuvor Chef des Stabes beim Ersatzheer geworden. Von dem Bussche, inzwischen zum Hauptmann befördert und beim Grenadier-Regiment 9 als Bataillonskommandeur tätig, war von der Begegnung mit Stauffenberg tief beeindruckt. Von dem Bussche wurde durch Stauffenberg in die Verschwörungspläne gegen Hitler eingeweiht. Auf die entsprechende Frage Stauffenbergs erklärte er sich ohne Zögern bereit, sein Leben in einem Selbstmordattentat auf Hitler zu opfern. Henning von Tresckow hatte die Idee, eine Vorführung der für die Ostfront geänderten Uniformen zu nutzen, weil neben Hitler auch Göring und Himmler an der Veranstaltung teilnehmen wollten. Die Veranstaltung sollte im Führerhauptquartier Wolfsschanze bei Rastenburg am 23. November 1943 stattfinden. Von dem Bussches Aufgabe war es den Anwesenden die Vorzüge dieser vorgeführten neuen Uniformen erklären. Er beabsichtigte sich dann gemeinsam mit Hitler in die Luft zu sprengen. Im geeigneten Augenblick wollte er Hitler festhalten und zwei Handgranaten schärfen, die er in den Taschen der Uniformhose versteckt halten wollte. Von dem Bussche hielt sich Ende November 1943 vier Tage und drei Nächte in der Gästebaracke des ostpreußischen Führerhauptquartiers bereit, bis er von einem Mitverschwörer informiert wurde, ein alliierter Bombenangriff auf Berlin habe den Eisenbahnwaggon mit den neuen Uniformen vernichtet. Die Beschaffung von Ersatzuniformen dauere mindestens bis Januar 1944. Von dem Bussche erklärte sich bereit, den Attentatsversuch im Februar 1944 zu wiederholen und fuhr zu seiner Einheit an die Front bei Nevel zurück. Bevor es allerdings zu dem erneuten Attentat kam, wurde von dem Bussche am 30. Januar 1944 durch einen sowjetischen Granatsplitter schwer verwundet, was die Amputation eines Beines zur Folge hatte. Dadurch, dass er als Träger des von Hitler gestifteten Ordens des Deutschen Kreuzes in Gold als Privileg mehrere Monate im SS-Lazarett Hohenlychen verbracht hatte, entging von dem Bussche auch der Verfolgungswelle nach dem 20. Juli 1944. Neben Fabian von Schlabrendorff, Philipp Freiherr von Boeselager, Ewald-Heinrich von Kleist-Schmenzin, Joachim Kuhn und Gersdorff überlebte von dem Bussche als einer der wenigen der Verschwörungsgruppe den Krieg und verstarb erst 26. Januar 1993 in Bonn.

 

© Matthias Meissner E-Mail

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