BCKategorie 08.09.2016 09:53:24 Uhr | Umwelt

Streuobstwiesen sind ein geschützter Biotop

Das Harzvorland ist eine alte und reich strukturierte Kulturlandschaft. Eben diese menschliche Nutzung hat zu einer sehr großen Vielfalt an Lebensräumen und Landschaftsbildern geführt. Hinsichtlich der hier vorkommenden Pflanzen- und Tierarten sind der Harz und das Harzvorland eine der artenreichsten Regionen Deutschlands, was neben den verschiedenen Höhenlagen, unterschiedlichen klimatischen Einflüssen besonders auch auf die traditionelle Nutzung der Landschaft durch den Menschen zurückzuführen ist. Gerade diese landschaftliche Vielfalt und der Reichtum an Tier- und Pflanzenarten sind es, die Jahr für Jahr viele Touristen in unsere Region locken und begeistern.

Ein ganz wesentlicher und landschaftsprägender Bestandteil des Harzvorlandes sind seine Streuobstwiesen. In wenigen Wochen werden die meist alten und regionaltypischen Obstbäume wieder in voller Blüte stehen und uns den Frühling von seiner schönsten Seiten zeigen. Streuobstwiesen haben eine lange Tradition und waren früher von sehr großer kultureller und sozialer Bedeutung. Eine traditionell angelegte Streuobstwiese wurde nämlich gleich doppelt genutzt: Die locker stehenden hochstämmigen Bäume dienten der Obsterzeugung, während der Unterwuchs als Futter für das Vieh genutzt wurde, entweder als Mähwiese zur Heugewinnung oder direkt als Weide.

Anders als zu Zeiten ihrer Entstehung ist die wirtschaftliche Bedeutung der Streuobstwiesen heute nur noch zweitrangig. Die Nutzung ist auch heute noch möglich und sogar erwünscht, allerdings ist ihre ökologische Bedeutung gestiegen. Sie bieten Lebens- und Rückzugsraum für viele, zum Teil selten gewordene Tier- und Pflanzenarten. Mit ihrem Reichtum an Totholz und Baumhöhlen bilden sie generell ideale Brut- und Nahrungsstätten für viele heimische Vögel. Der kleinräumigen Wechsel aus besonnten und (halb-)schattigen, trockenen und feuchten Stellen, Holz- und Schnittgutlagerplätzen sowie meist grasdominierten Unterwuchs bietet wertvolle Sommer- und Überwinterungshabitate für verschiedene Amphibien- und Reptilienarten, wie Erdkröte oder Waldeidechse. Daher muss und sollte auch nicht jeder abgestorbene Baum entfernt werden. Der krautige Unterwuchs der Streuobstwiesen wiederum kann sehr arten- und blütenreich sein. Hier finden sich oft viele seltene Pflanzenarten, darunter auch Orchideen oder das jetzt im Frühjahr leuchtend gelb blühende Frühlings-Adonisröschen.

Streuobstwiesen sind durch den Menschen geschaffene Kulturbiotope. Sie bedürfen für ihren Erhalt der dauernden menschlichen Pflege. Die Obstbäume sollten regelmäßigen Pflegeschnitten unterzogen werden, die alten Bäume sollten behutsam durch das Nachpflanzen am besten regionaltypischer Sorten ergänzt und ersetzt werden. Um den krautigen Unterwuchs zu erhalten und einem zu starkem Aufkommen an Büschen entgegenzuwirken, sollten Streuobstwiesen regelmäßig gemäht oder beweidet werden. Der Erhalt von Streuobstwiesen kann unter Umständen auch finanziell gefördert werden.

Streuobstwiesen sind zum einen das Zeugnis jahrhundertealter traditioneller Nutzung der Landschaft. Sie sind nicht nur ein wertvolles kulturelles Erbe. Ihre Erhaltung und Pflege ist auch ein ganz wesentlicher Beitrag zum Arten- und Naturschutz. Leider hat die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Harz in den letzten Tagen feststellen müssen, dass Streuobstwiesen gerodet werden. Wegen ihrer großen ökologischen Bedeutung sind Streuobstwiesen in Sachsen-Anhalt ein gesetzlich geschützter Biotop, der nicht zerstört oder geschädigt werden darf. Streuobstwiesen ohne Genehmigung zu roden ist verboten und wird als Ordnungswidrigkeit geahndet.