Presseinformationen 2024 | Startseite-Aktuelles

Landkreis Harz vereinbart Zusammenarbeit zur Brandbekämpfung mit Westkap-Region in Südafrika

Der Landkreis Harz und das Cape Winelands District Municipality in Südafrika haben sich auf die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Brandbekämpfung verständigt. Am Vormittag unterzeichnete Landrat Thomas Balcerowski auf dem Flugplatz Ballenstedt den „Letter of Intent“. „So soll das Wissen im Bereich Brandbekämpfung und Rettungskapazitäten verbessert, die Toleranz zwischen den Kulturen gefördert und der Blick der Feuerwehrleute auf den Rest der Welt erweitert werden“, heißt es in der Präambel der zweiseitigen Grundsatzerklärung. Die angestrebte Zusammenarbeit sei eine Win-win-Situation – quasi ein Wissenstransfer, so Balcerowski. Bei der Unterzeichnung zugegen waren neben Henry Prins als Vertreter des Cape Winelands District Municipality zudem Kreisordnungsdezernent Thomas Golinowski, der Leiter des Kreisordnungsamtes Klaus Bendixen und die Sachgebietsleiterin Brand- und Katastrophenschutz/ZMZ Annelie Dietze sowie der Kreisbrandmeister und dessen Stellvertreter, Kai-Uwe Lohse und Alexander Beck und der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes Harz, David Fehsecke.

Cape Winelands ist ein Distrikt der südafrikanischen Provinz Westkap. Mit rund 21 500 Quadratkilometer Fläche ist der District rund zehnmal so groß wie der Landkreis Harz. Auch die Einwohnerzahl ist mit rund 900 000 deutlich höher. Allerdings stehen beide Gebiete in Zukunft vor denselben Herausforderungen, erfuhr Landrat Thomas Balcerowski im Gespräch mit Henry Prins. Ähnlich wie im Harz kämpft das Gebiet in der Region Westkap mit den Folgen des globalen Klimawandels und dessen immer katastrophaleren Brandereignissen.

„Vegetationsfeuer und Waldbrände halten uns in der Brandsaison Jahr für Jahr von Oktober bis Mai in Atem und vernichten oftmals großflächige Gebiete“, unterstrich der Südafrikaner. Anders als im Landkreis Harz wird der Brandschutz in Südafrika allerdings von hauptamtlichen Feuerleuten geleistet. In Spitzenzeiten ergänzen dort ehrenamtliche Brandschützer die Brandbekämpfung. Zum Einsatz kommen in der Regel Helikopter und Löschflugzeuge.

„Wir wollen vom Landkreis Harz lernen, wie das Modell Ehrenamt beim Brandschutz funktioniert“, unterstrich Henry Prins. Im Kern gehe es darum, mehr Menschen für den ehrenamtlichen Brandschutz zu begeistern. Den Südafrikanern sei in der Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen beim Aufbau des ehrenamtlichen Brandschutzes der erste, wichtige Schritt gelungen, anerkannte der Harzer Kreisbrandmeister. „Man kann nur so viel Sicherheit erwarten, wie man selber bereit ist, zu tun“, unterstrich Kai Uwe Lohse die Grundidee des deutschen Feuerwehrwesens. Der Gewinn neuer Mitglieder sei auch im Landkreis Harz ein Dauerthema für die 116 Feuerwehren. Dort sind 2 800 Feuerwehrleute im Ehrenamt engagiert; bundesweit seien es rund 1,3 Millionen – „Das gibt es weltweit so nicht.“ Im Landkreis Harz werden auch die 13 Fachdienste des Katastrophenschutzes von der Feuerwehr gestellt.

In der künftigen Zusammenarbeit der Harzer Feuerwehren mit den Südafrikanern geht es auch um den Erfahrungsaustausch, Themen wie Vegetationsbrände, Rettung und die Beherrschbarkeit von Gefahrenstoffen oder um Personalmanagement und Führungskräfteentwicklung. Kreisbrandmeister Kai-Uwe Lohse erinnerte an den seit 2023 bislang acht Mal erfolgten Einsatz eines eigenen Löschflugzeuges, mit dem der Harzkreis bundesweit Neuland betritt und trotz aller Erfolge noch immer von Skeptikern verlacht werde. „Wir tun das, was Südafrika mit Helikoptern und Löschflugzeugen tut: Nach dem Erkennen die Brandherde schnell aus der Luft eindämmen und von der Bodenfeuerwehr dann ausmachen.“

Das sieht auch Landrat Thomas Balcerowski so. „Wir planen den Einsatz eines Harzer Löschflugzeuges über die Waldbrandsaison 2024 hinaus. Der mit diesem luftgebundenen Rettungsmittel verbundene Zeitvorteil bei Bränden von Vegetation und Wald ist immens, schont Ressourcen und ist im Zusammenspiel mit den Feuerwehren vor Ort für den Löscherfolg in meist unzugänglichen Gebieten im Landkreis Harz entscheidend.“