Showdown in Quedlinburg

Bei der TSG GuthsMuths e. V. in Quedlinburg trainieren Menschen mit und ohne Sehbehinderung in einem Showdown-Verein eine spezielle Form des Tischtennis.

Quedlinburg I Bei der TSG GuthsMuths e. V. in Quedlinburg trainieren Menschen mit und ohne Sehbehinderung in einem Showdown-Verein eine spezielle Form des Tischtennis. Die Mannschaft ist für die Sportlerehrung des Kreissportbundes nominiert, doch die Preisverleihung wurde wegen des Coronavirus abgesagt.

Showdown ist kein Sport für Zartbesaitete. Fast ohrenbetäubend laut dröhnt es Anfang Oktober in der kleinen Sporthalle als Jens Richardt mit einem schmalen Holzschläger zum Angriff ausholt und den gelben Ball mit Wucht gegen die Bande im gegnerischen Feld schlägt. Sein Gegner hat den Kopf leicht zur Seite geneigt und lauscht. Als der Ball gegen die Bande trifft, fängt er den Ball mit geübten Bewegungen vor seinem Torraum ab, positioniert ihn vor dem Schläger und schleudert ihn in einem kaum vorhersehbaren Winkel zurück. Ein Manöver folgt dem anderen, beide Spieler liefern sich ein nervenaufreibendes Duell. Das alles passiert so schnell, dass das Auge kaum folgen kann. Aber darum geht es auch gar nicht - denn die Spieler können den Ball nicht sehen. Dieser Sport heißt Showdown und ist eine eigens für Sehbehinderte entwickelte Variante des Tischtennis‘.

Jens Richardt aus Quedlinburg hat den Sport 2014 durch Zufall für sich entdeckt. „Jeder kann Showdown lernen.“, ist sein Fazit. Das Spiel stehe jedem offen, egal ob er oder sie eine Sehbehinderung hat oder nicht. Er trägt zum Spielen eine abgedunkelte Skibrille und steht seinen nichtsehenden Gegnern in nichts nach. Wie anstrengend und nervenaufreibend Showdown tatsächlich ist, zeigt sich bald an den schweißnassen Schläfen der beiden Kontrahenten. Gespielt wird regulär über zwei Sätze. Zwar ist ein Satz zu Ende, wenn ein Spieler mindestens elf Punkte erzielt hat, aber das kann dauern. Für Meisterschaften wird kein Zeitlimit vorgegeben. Manchmal dauert ein Satz sogar bis zu 45 Minuten. Wer am Ende gewinnt, ist da nicht selten eine Frage der Nerven.  Es ist und bleibt ein Leistungssport. Nicht umsonst gibt es hier eine Weltmeisterschaft und seit Kurzem auch ein deutsches Ligasystem. Entstanden ist die Sportart Showdown in den 1970er Jahren. Verbreitung fand sie besonders in Skandinavien und Tschechien, doch auch in Deutschland gewinnt sie an Popularität. Das langfristige Ziel sei die Aufnahme der Disziplin bei den Paralympics.

Die Regeln des Sportes ähneln denen des herkömmlichen Tischtennis, nur gibt es hier einige Besonderheiten. So umgibt eine 14 Zentimeter hohe Begrenzung das Spielfeld und statt einem Netz trennt eine unterspielbare Plexiglasscheibe die beiden Spielfelder. An jedem Ende befindet sich ein Torloch. Die Tischplatte mit den abgerundeten Ecken ist eine Sonderanfertigung aus Tschechien; vom Band könne man so etwas nicht kaufen, erklärt Abteilungsleiter Lutz Egeling. Gespielt wird mit einem gelben Spielball, der etwa doppelt so groß ist wie ein Tischtennisball. Er ist mit Metallkugeln befüllt, damit dessen Bewegungen auf dem Feld akustisch wahrgenommen werden können. Und auch die Schläger sind anders geformt als herkömmliche Tischtennisschläger. Sie bestehen aus einem schmalen, rechteckigen Holzstück mit abgerundeten Ecken, das an einem Holzgriff befestigt ist. Außerdem gehören ein dicker Hockeyhandschuh und, für die sehenden Mitspieler, eine abgedunkelte Skibrille zur Ausrüstung. Überhaupt wird sehr viel Wert auf Sicherheit gelegt. Mit bis zu 100 Kilometern in der Stunde könne ein Ball geschlagen werden, erklärt Lutz Egeling. Das sei locker drin. Mit einem entspannten Shuffleboard-Spiel, wie man es aus dem Urlaub kennt, sei das überhaupt nicht zu vergleichen.

Die Gruppe in Quedlinburg besteht aus sechs Mitgliedern. Trotz der kleinen Mannschaftsgröße fuhren sie in den vergangenen Jahren regelmäßig zu überregionalen Wettkämpfen und Meisterschaften und trafen sich einmal pro Woche in der kleinen Turnhalle der Berufsbildenden Schulen in Quedlinburg zum Training. Das war vor dem Coronavirus. Die Vereinsmitglieder haben seit Oktober nicht mehr trainiert. Das zehrt an den Nerven, schließlich sind die Trainingseinheiten auch eine Möglichkeit zum Austausch für die sehbehinderten Spieler.  Doch das ist nicht das einzige, bei dem das Corona-Virus dem Verein einen Strich durch die Rechnung gemacht hat.

Für ihr großes Engagement und ihre sportlichen Leistungen war der Verein 2020 zum wiederholten Mal in der Kategorie „Nichtolympische Mannschaft Erwachsene“ vom Kreissportbund Harz nominiert worden – und steht nun als Gewinner fest. „Für unsere kleine Sportgruppe der blinden und sehbehinderten Sportler, die eine Randsportart betreiben, ist die das eine große Auszeichnung. Es ist schön, dass man dadurch auf die Sportart aufmerksam machen kann. Wir sind der TSG GuthMuths Quedlinburg e. V. sehr dankbar für ihre Unterstützung.“, so Egeling. Doch die Freude ist gedämpft. Die für den 30. Oktober geplante Sportlerehrung wurde abgesagt. Die Verleihung soll im kleinen Kreis vor Ort mit den Sportlern nachgeholt werden.

Wann es mit dem Training weiter gehen kann, wissen sie nicht. Aber einen Wunsch haben sie noch – für die Zeit nach Corona. Der Mannschaft fehlt ein Übungsleiter, der sie unterstützt, damit alle Mitglieder aktiv trainieren können. Wer Interesse hat, den Sport auszuprobieren oder die Spieler als Übungsleiter zu unterstützen, kann sich bei Abteilungsleiter Lutz Egeling melden.

 

Ansprechpartner: Lutz Egeling

Mobil:  0172 / 327 88 42
E-Mail: lutzegeling@aol.de
Internet: https://showdownqlb.hpage.com/

 

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