Erxleben, Dorothea Christiane, Dr.

Dr. Dorothea Christiane  Erxleben, geborene Leporin, wurde am 20. Juni 1963 in Braunschweig wurde als Tochter eines Arztes aus Aschersleben und späteren Stadtphysikus in Quedlinburg zur Welt gebracht. Ihr Geburtshaus im Steinweg 51 ist heute denkmalgeschützt. Schon als Kind zeigte sie ihre außergewöhnlichen geistigen Fähigkeiten und ihr großes Interesse an naturwissenschaftlichen Studien. Während ihrer Schulzeiten in der Quedlinburger Ratsschule unterrichten sie der Rektor und Konrektor privat in Latein, ihr Vater in Naturwissenschaften sowie praktischer und theoretischer Medizin. Ab ihrem 16. Lebensjahr nahm ihr Vater sie zu den Patienten mit und ließ sich auch zeitweise von ihr in seiner Praxis vertreten. Dorothea durchlief dieselbe Ausbildung wie ihr Bruder, und wie er strebte sie die Erlangung eines akademischen Grades an, jedoch war ein gemeinsames Studium durch dessen Einberufung zum Militär unmöglich. Nachdem ihr der Zugang zur Universität trotz ihres umfangreichen Wissens verwehrt blieb, wandte sie sich an Friedrich den Großen, der 1741 die Universität Halle anwies und sie zur Promotion zuließ. 1742 heiratete Dorothea den verwitweten Diakon Johann Christian Erxleben, der aus der ersten Ehe einen Sohn und vier Töchter hatte. Da das älteste der fünf Stiefkinder erst neun Jahre alt war, nahm sie das königliche Privileg, promovieren zu dürfen, vorerst nicht in Anspruch.

Als sie anfing zu praktizieren, wurde sie von den anderen Ärzten ihrer Heimatstadt, weil sie keine formelle, universitäre Ausbildung zur Ärztin hatte, als Dilettantin verschrien. Neben der hausfraulichen Tätigkeit in ihrer großen Familie praktizierte sie nebenbei weiter. 1747 übernahm sie die Praxis ihres verstorbenen Vaters. Nachdem eine ihrer Patientinnen während der Behandlung gestorben war, wurde sie von anderen Ärzten wegen „medicinischer Pfuscherey“ angezeigt. Daraufhin entschloss sich die nun 39jährige Dorothea, kurz nach der Geburt ihres vierten Kindes, ihre Promotion nachzuholen. Im Januar 1754 reichte sie ihre Dissertation mit dem Titel „Quod nimis cito ac iucunde curare saepius fiat causa minus tutae curationis“, 1755 dann auch auf Deutsch unter dem Titel „Academische Abhandlung von der gar zu geschwinden und angenehmen, aber deswegen öfters unsichern Heilung der Krankheiten“, ein und am 6. Mai desselben Jahres trat sie an der Universität Halle zum Promotionsexamen an, das sie mit großem Erfolg ablegte. Am 12. Juni 1754 wurde sie dann feierlich zum „Doktor der Arzeneygelahrtheit“ erklärt. Nach der Promotion führte sie ihr bisheriges Leben weiter: Sie kümmerte sich um ihre Kinder, führte den Haushalt und behandelte ihre Patienten.  Sie starb am 10. Januar 1918 in Rübeland an Brustkrebs.

 

© Matthias Meissner E-Mail

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