Engagierte Arbeitgeber über die Einstellung von Menschen mit Behinderung

Wie können Arbeitgeber das Potential von Mitarbeitern mit Handicap erkennen und Vorurteile oder Vorbehalte abbauen? Damit beschäftigt sich ein Förderprojekt, dessen Träger der Verein TECLA e.V. in enger Zusammenarbeit mit dem kreisweiten Aktionsbündnis „Landkreis Harz inklusiv“ ist. Ende September bildete eine Vorführung von drei Filmbeiträgen zu erfolgreichen Maßnahmen den Abschluss. Das Projekt sollte einen konkreten und praxiswirksamen Beitrag zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen und damit auch zur Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) im Landkreis Harz leisten. Es wurde gefördert mit Mitteln des Landes Sachsen-Anhalt im Rahmen der Demografie-Richtlinie „Wandel gestalten“.

Drei Arbeitgeber im Landkreis Harz, EDEKA Bienek Halberstadt, das Burghotel Wernigerode und die GVS Blankenburg zeigten, wie sie mit diesem Thema umgehen. Die GVS Blankenburg beschäftigt inzwischen zehn Mitarbeiter mit Behinderungen. Geschäftsführer Carsten Jacknau hob vor allem die Unterstützung der Behörden bei der Organisation und Einrichtung spezieller Arbeitsplätze hervor. Auch das Burghotel Wernigerode öffnet seine Türen für Menschen mit Behinderung. Prokurist Christian Bohmeier-Meyer machte deutlich, dass am Ende des Tages wie in jedem Unternehmen die Leistung zählt. An seinem Beispiel wurde aufgezeigt, wie über ein erstes Beschnuppern durch ein Praktikum zielgerichtet der Weg über die Ausbildung bis hin zur gleichgestellten Fachkraft erfolgt. Großes Engagement zeigt Katrin Bienek, Inhaberin des EDEKA-Bienek Halberstadt, bei der Einstellung von Menschen mit Behinderung. Sie machte deutlich: Mut, etwas verändern zu wollen, muss belohnt werden. Sie macht bei Interesse und Eignung während eines Praktikums „Nägel mit Köpfen“. Gleichzeitig wies sie bei der Veranstaltung darauf hin, dass es mit der Einstellung nicht getan ist. Mit viel Empathie motiviert sie ihre Mitarbeiter. Dabei wird nicht mit unterschiedlichem Maß gemessen. Inzwischen ist sie stolz auf die Beschäftigung von vier Mitarbeitern mit Behinderungen. Katrin Bienek appellierte an die Arbeitgeber, über Vorbehaltshürden zu springen und Menschen mit Behinderungen eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu geben. Viele Dienstleister wie die Agentur für Arbeit, das Sozial- oder Integrationsamt, Bildungsträger, Beratungsunternehmen und Werkstätten geben dabei Hilfe und Unterstützung.

Nach einer kurzweiligen Podiumsdiskussion mit den Arbeitgebern, der IHK, der Kreishandwerker-schaft und der Vertreterin aus dem Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration in Sachsen-Anhalt erhielten alle Beteiligten die produzierte Informations-DVD.

Mit großem Interesse vernahmen die Teilnehmer zum Abschluss der Diskussion eine Information aus dem Sozialamt, das für den Landkreis Harz die Bewilligung von derzeit neun Budgets für Arbeit und drei laufende Verfahren verkündete. Das Budget für Arbeit ist seit Januar 2018 eine neue Leistung der Eingliederungshilfe und damit fester Bestandteil des SGB XII. Es handelt sich um eine Arbeitgeberförderung, die zeitlich nicht begrenzt ist, sondern sich ausschließlich am Bedarf des Arbeitsnehmers orientiert. Sowohl für Arbeitgeber, als auch für Arbeitnehmer besteht kein Risiko, da der Arbeitsnehmer jederzeit in eine Werkstatt für behinderte Menschen zurückkehren kann. Mit dem Ergebnis bewilligter Budgets ist der Landkreis Harz  führend in Sachsen-Anhalt. In der Bundesstatistik steht das Land Sachsen-Anhalt an erster Stelle.

Interessierte können die Informations-DVD kostenfrei ab 1. November bei Nadine Albrecht, Regionale Koordinatorin Arbeitsmarktpolitik beim Landkreis Harz, bestellen – telefonisch unter 03941/59 70 15 05 oder per E-Mail an standortfoerderung@kreis-hz.de.

© Julia Heinrich E-Mail

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