Barrierefrei ins Theater
Praxistest im Harztheater Halberstadt
Wie barrierefrei ist ein Theaterbesuch wirklich?
Dieser Frage ist das Örtliche Teilhabemanagement des Landkreises Harz im Dezember mit einer zehnköpfigen Testgruppe nachgegangen. Ziel war es, einen Theaterbesuch aus der Perspektive von Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen praktisch zu erleben – von der Anreise bis zum Aufenthalt im Zuschauerraum.
Im Dezember besuchte die Gruppe die Aufführung des Märchenspiels „Die Schneekönigin“ im Großen Haus des Harztheater Halberstadt. Vertreten waren Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, geistigen Behinderungen sowie Hör- und Sehbeeinträchtigungen.
ÖPNV bleibt für viele eine Herausforderung
Ursprünglich sollte vor allem die barrierefreie Anreise mit dem öffentlichen Nahverkehr aus verschiedenen Städten im Landkreis Harz getestet werden. In der Vorbereitung zeigte sich jedoch schnell ein strukturelles Problem: Viele Menschen mit Behinderungen oder Einrichtungen organisieren ihre Fahrten inzwischen eigenständig mit PKW oder Kleinbussen, um möglichst unabhängig zu bleiben.
Ein Grund dafür sind die begrenzten Kapazitäten für Rollstühle in den Bussen der Harzer Verkehrsbetriebe. Pro Fahrzeug stehen in der Regel nur zwei Plätze zur Verfügung, die sich zudem Personen mit Rollator oder Kinderwagen teilen. Zwar können diese Plätze theoretisch reserviert werden, in der Praxis lässt sich dies im laufenden Betrieb jedoch nur schwer verbindlich umsetzen.
Eine kleinere Gruppe testete daher zumindest die innerstädtische Anreise in Halberstadt mit der Straßenbahn der Halberstädter Verkehrsbetriebe. Diese verlief problemlos. Besonders positiv fiel das elektronische Informationssystem auf: Die Abfahrtsanzeigen sind klar verständlich und auch für Menschen mit kognitiven Einschränkungen gut nachvollziehbar.
Barrierefreiheit endet nicht an der Rampe
Im Theater selbst zeigte sich, dass Barrierefreiheit viele kleine Details umfasst. Zwar verfügt das Gebäude über einen seitlichen Zugang mit Rampe, doch sind nicht alle Bereiche stufenlos miteinander verbunden. Für Rollstuhlfahrer bedeutet das beispielsweise, dass sie Garderobe, Theatercafé oder Sektbar während der Pause nicht erreichen können.
Auch der Zugang zum Zuschauerraum erfolgt über verschiedene Seiteneingänge. Hier zeigte sich in der Praxis, dass Orientierung und Unterstützung vor Ort eine wichtige Rolle spielen. Ohne Begleitung kann es schwierig sein, den richtigen Weg zu finden.
Eingeschränkte Sicht im Zuschauerraum
Für Rollstuhlfahrer stehen im Großen Haus auf jeder Seite jeweils zwei Plätze zur Verfügung. Diese befinden sich direkt am unteren Zugang zum Zuschauerraum neben den Sitzreihen. Durch diese Position entsteht ein stark seitlicher Blickwinkel auf die Bühne.
In der Aufführung „Die Schneekönigin“ führte das dazu, dass Teile des Bühnenbilds die Sicht zusätzlich einschränkten. Auf einer Seite erschwerte ein größerer Aufbau den Blick auf die Bühne, auf der anderen Seite waren teilweise technische Abläufe hinter den Kulissen sichtbar. Solche Aspekte zeigen, dass auch Bühnenbild und Inszenierung Einfluss auf die Barrierefreiheit eines Theatererlebnisses haben können.
Ein gelungenes Beispiel für mehr Teilhabe
Ein durchweg positives Ergebnis des Testbesuchs war hingegen die neu installierte Höranlage im Theater. Sie wurde in dieser Spielzeit durch den Theaterförderverein Harztheater umgesetzt und erleichtert Menschen mit Hörbeeinträchtigung das Verstehen von Sprache und Musik während der Aufführung.
Die Technik funktioniert über eine Smartphone-App und Bluetooth-fähige Hörhilfen. Die hörbeeinträchtigten Kinder aus der Testgruppe konnten sich problemlos mit dem System verbinden und berichteten von einem deutlich verbesserten Hörerlebnis.
Ein praktischer Tipp für einen entspannten Theaterbesuch: Wer die Höranlage nutzen möchte, lädt die App am besten schon vor dem Theaterbesuch auf das Smartphone. So kann man sich in Ruhe mit den Funktionen vertraut machen und die Verbindung zur Hörhilfe vor Beginn der Vorstellung schnell herstellen.
Praxistests schaffen neue Perspektiven
Viele der festgestellten Einschränkungen im Gebäude sind grundsätzlich bekannt. Ein Praxistest mit einer gemischten Gruppe zeigt jedoch oft erst, wie sich diese Barrieren im tatsächlichen Besuchserlebnis auswirken.
Gerade solche Erfahrungen sind eine wichtige Grundlage, um Barrierefreiheit Schritt für Schritt weiter zu verbessern – damit kulturelle Angebote möglichst vielen Menschen offenstehen.
Text in Leichte Sprache
Theater getestet: Was ist gut? Was ist schwer?
Können alle Menschen gut ins Theater gehen?
Eine Gruppe hat ein Theater in Halber-stadt getestet.
Das Ergebnis:
Es gibt noch Hinder-nisse.
Zum Beispiel bei der Anreise und im Gebäude.
Aber:
Die neue Hör-Anlage ist gut.
Damit können Menschen besser hören.
Der Test zeigt:
Es muss noch etwas verbessert werden.
Damit alle Menschen dabei sein können.


