Gleim, Johann Wilhelm Ludwig

Johann Wilhelm Ludwig Gleim wurde als achtes von zwölf Kindern des Ehepaares Gleim in Ermsleben geboren. Sein Vater war Steuereinnehmer und seine Mutter Pfarrerstochter aus der Gegend um Cleve. Gleim wuchs in Ermsleben auf und besuchte in Wernigerode die Schule. Schon in jungewn Jahren verlor er seine Eltern. Von 1738–1741 studierte er Rechtswissenschaft in Halle. In seiner Studienzeit schloss Gleim dichterische Freundschaft mit Johann Peter Uz, Johann Nikolaus Götz und Paul Jacob Rudnik, mit denen er die so genannte „Zweite Hallesche Dichterschule“ bildete. Nach einem längeren Aufenthalt bei Verwandten ging er 1743 zunächst nach Potsdam und später nach Berlin. Dort vedingte er sic h als Hauslehrer. Noch im selben Jahr wurde er Sekretär des Markgrafen Wilhelm von Brandenburg-Schwedt und begleitete diesen in den 2. Schlesischen Krieg. Nach dem Tod seines des Markgrafen war Gleim Sekretär des Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau.  Von dessen Verhalten abgestoßen, kündigte er jedoch bald wieder den Dienst und hoffte auf eine Verbesserung seiner Lage. 1747 wurde Gleim Domsekretär des Domstifts in Halberstadt. Seine Tätigkeit am Dom übte er fünfzig Jahre lang aus. 1756 erwarb er sich zur weiteren finanziellen Absicherung ein Kanonikat des Stiftes Walbeck bei Halberstadt.

Einen weiteren Höhepunkt an Popularität erlangte Gleim während des Siebenjährigen Krieges als Verfasser von Preußischen Kriegsliedern, die auf der Fiktion basierten, es berichte ein Grenadier vom Kriegsgeschehen. Vertont wurden diese Gedichte Gleims von dem Berliner Juristen und Musikliebhaber Christian Gottfried Krause, aber später auch von Telemann und Schubert.

Als wohlhabender Bürger, bekannter Dichter, einflussreicher Sammler, Förderer und Vermittler wurde der Dichter, zum Literaturmäzen und Sammler der deutschen Aufklärung und Exponent der Freundschaftskultur der Aufklärung. Ein wesentliches Projekt Gleims und weiterer Dichter seiner Generation war in der Entwicklung der deutschen Literatur die Etablierung des Deutschen als Literatursprache (der Ignoranz Friedrichs II. von Preußen zum Trotz, den Gleim ansonsten enthusiastisch verehrte). Mit diesen Bestrebungen ging im Falle Gleims ein ausgreifendes Mäzenatentum einher. Getragen von der sozial ausgerichteten und tugendhaften Freundschaftsidee des mittleren 18. Jahrhunderts versuchte Gleim stets gesellig-literarische Gruppenbildung zu fördern. Gleim war ein akribischer Sammler der literarischen Kultur der Aufklärung. Nach seinem Umzug von Berlin nach Halberstadt ließ er die zurückgelassenen Freunde in lebensgroßen Brustbildern porträtieren. Durch die Jahrzehnte hindurch kamen Bildnisse weiterer Freunde hinzu. Gleim selbst sprach von seiner Galerie als von seinem "Tempel der Freundschaft und der Musen". Später weitete er die Konzeption auf verdiente Persönlichkeiten der Zeit aus. So wuchs die Sammlung auf rund 150 Bildnisse und damit zur größten Porträtgalerie der deutschen Aufklärung an. Zu der Sammlung seiner Korrespondenzen mit über 500 Persönlichkeiten zumeist der deutschen Literaten- und Gelehrtenwelt fügte Gleim ab den 1770er Jahren Nachlässe bzw. Vorlässe befreundeter Dichter hinzu und legte somit das erste Literaturarchiv in Deutschland an. Daneben baute er eine respektable Bibliothek auf, deren besonderen Schatz die große Anzahl von Widmungsexemplaren befreundeter Autoren darstellt.

In der Berliner Zeit stand er im engen persönlichen Kontakt mit u. a. Karl Wilhelm Ramler, Johann Joachim Spalding, Ewald von Kleist. Später in Halberstadt zog Gleim Intellektuelle und Dichter nach Halberstadt. So formierte sich zu Beginn der 1770er Jahre mit Johann Georg Jacobi, Wilhelm Heinse, Johann Benjamin Michaelis, Christoph August Tiedge, Klamer Eberhard Karl Schmidt, Leopold Friedrich Günther von Goeckingk der sogenannte „Halberstädter Dichterkreis“. Weiter stand Gleim in engem Kontakt etwa zu Lessing, Herder, Klopstock, Wieland, Anna Louisa Karsch, Johann Heinrich Voß u. a. Das Verhältnis zu Goethe und Schiller war ambivalent. Als Anakreontiker „deutscher Anakreon“ genannt, als patriotischer Dichter gemäß der Verfasserfiktion seiner Kriegslyrik „preußischer Grenadier“, als Literaturförderer und Patriarch der deutschen Literatur am Ende des 18. Jahrhunderts war er auch unter dem Namen „Vater Gleim“ bekannt.

Gleim starb unverheiratet, vollständig erblindet, in Halberstadt. Gemäß seinem Wunsch wurde er in seinem Garten an der Holtemme beigesetzt.

 

 

© Matthias Meissner E-Mail

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