Wie Magieventura Teilhabe auf dem Arbeitsmarkt lebt
Best Practice
Menschen mit Behinderungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu beschäftigen, ist für viele Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber noch immer mit Unsicherheiten verbunden. Dass sich Offenheit und Mut lohnen können, zeigt das Beispiel von Almut Hartung und ihrem Geschäft „Magieventura“ in der Quedlinburger Altstadt.
Seit Mai 2025 erfüllt sich die Inhaberin mit ihrem liebevoll gestalteten Zauberladen einen Traum. Bei Magieventura finden Fans der Harry-Potter-Welt hochwertige Zauberstab-Repliken, passende Kleidung, Süßigkeiten und viele weitere magische Besonderheiten. Die Idee entstand bereits 2024, als sich Almut Hartung beruflich neu orientieren wollte.
„Ich habe mich gefragt, was ich machen muss, um mir selbst ein besseres Arbeitsumfeld zu schaffen“, erinnert sie sich. Als sich die Möglichkeit ergab, die Geschäftsräume in Quedlinburg zu übernehmen, setzte sie ihre Idee in die Tat um.
Schon bald stellte sich jedoch heraus, dass der Arbeitsaufwand größer war als zunächst gedacht. Insbesondere bei der Buchhaltung und den organisatorischen Aufgaben benötigte sie Unterstützung. Über eine ehemalige Arbeitskollegin entstand der Kontakt zu Susanne Kühn. Mit Unterstützung der Kommunalen Beschäftigungsagentur (KoBa) absolvierte diese zunächst ein Praktikum bei Magieventura.
Die Zusammenarbeit entwickelte sich schnell positiv. Seit Februar 2026 ist Susanne Kühn mit 30 Wochenstunden fest angestellt. Nach einem Hirntumor in ihrer Jugend ist Susanne Kühn heute in ihrer Beweglichkeit auf einer Körperseite eingeschränkt. Trotzdem stellt sie sich täglich den Herausforderungen ihres Berufsalltags – und das in einer Stadt wie Quedlinburg, deren historisches Pflaster und zahlreiche Fachwerkgebäude nicht immer leicht zugänglich sind. Dabei richtet sie ihren Blick lieber auf das, was möglich ist, als auf die Hindernisse. Bei Magieventura übernimmt Susanne Kühn vor allem Aufgaben in der Buchhaltung und an der Kasse. Montags und dienstags arbeitet sie im Büro, ab Donnerstag unterstützt sie zusätzlich im Verkauf. Vor dem Kassensystem hatte sie anfangs noch Respekt. Inzwischen kennt sie sich bestens aus und arbeitet routiniert damit. Herausforderungen betrachtet sie dabei vor allem als Chance, Neues zu lernen.
Für die Beschäftigung erhält Almut Hartung einen Eingliederungszuschuss, der über einen Zeitraum von fünf Jahren gewährt wird. Dafür ist jährlich ein Antrag erforderlich. Nach ihrer Erfahrung sollten Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber die vorhandenen Beratungs- und Förderangebote aktiv nutzen. Neben dem Eingliederungszuschuss gibt es je nach Einzelfall weitere Fördermöglichkeiten, beispielsweise über die Rentenversicherung oder andere Leistungsträger.
Aktuell prüft die Ladeninhaberin zudem weitere Unterstützungsmöglichkeiten für die Gestaltung eines zusätzlichen Arbeitsplatzes im Geschäft. Behinderungsbedingte Hilfsmittel und notwendige Anpassungen am Arbeitsplatz können unter bestimmten Voraussetzungen vollständig gefördert werden.
Besonders hilfreich war für sie der offene Austausch mit den zuständigen Ansprechpersonen bei der Arbeitsvermittlung. „Es lohnt sich, Fragen anzusprechen und auch Unsicherheiten offen zu benennen. Oft bekommt man dadurch eine ganz andere Perspektive auf die Situation“, sagt sie.
Für Almut Hartung ist vor allem eines deutlich geworden: Das Potenzial von Menschen mit Behinderungen wird häufig unterschätzt. „Viele achten besonders genau auf Details, hinterfragen Arbeitsabläufe und bringen wertvolle Ideen zur Verbesserung von Prozessen ein.“
Ihr Rat an andere Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ist daher eindeutig: „Man sollte mutig und aufgeschlossen sein und sich einfach darauf einlassen. Nicht von Zweifeln leiten lassen, sondern die Chance nutzen, Menschen kennenzulernen und ihre Fähigkeiten zu entdecken.“
Das Beispiel von Magieventura zeigt, dass Inklusion auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt gelingen kann – wenn Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber bereit sind, neue Wege zu gehen und vorhandene Unterstützungsangebote zu nutzen. Oft entsteht daraus nicht nur eine berufliche Chance für Menschen mit Behinderungen, sondern auch ein echter Gewinn für das Unternehmen.
Leichte Sprache
Mut zur Teilhabe bei der Arbeit
Almut Hartung hat in Quedlinburg ein Geschäft.
Das Geschäft heißt Magie-ventura.
Dort gibt es viele Dinge aus der Welt von Harry Potter.
Für ihr Geschäft suchte Almut Hartung Unterstützung.
So lernte sie Susanne Kühn kennen.
Zuerst machte Susanne Kühn ein Praktikum.
Heute arbeitet sie fest im Geschäft.
Susanne Kühn hat eine Behinderung.
Sie kann eine Körper-Seite nicht so gut bewegen.
Trotzdem arbeitet sie jeden Tag in der Buchhaltung, an der Kasse und im Verkauf.
Neue Aufgaben sieht sie als Chance.
Sie lernt gern dazu.
Almut Hartung hat gute Erfahrungen gemacht.
Sie sagt:
Menschen mit Behinderung haben viele Fähigkeiten.
Sie bringen neue Ideen mit.
Und sie leisten gute Arbeit.
Für andere Firmen hat sie einen Rat:
„Seien Sie offen und mutig.
Lernen Sie die Menschen kennen.
Schauen Sie auf ihre Stärken.“
Das Beispiel von Magie-ventura zeigt:
Teilhabe bei der Arbeit kann gelingen.
Davon profitieren Menschen mit Behinderung.
Und auch die Firmen.


